How to Golf 2: Schwungvoll zum Grün

Der Griff ist die Grundlage, aber der Schwung macht den Unterschied zwischen gutem und schlechtem Golfspiel. Und genau darin liegt die Krux: Wie sollte ein Golfschwung ablaufen, damit der Ball so fliegt, wie der Spieler es wünscht? Heute wird es sehr theoretisch.

Ich habe es gerade noch gelesen: Beim Golfschwung sind ungefähr 130 verschiedene Muskeln beteiligt. Das bedeutet, der Bewegungsablauf ist sehr komplex. Der Golfer muss vieles auf einmal tun – und das möglichst ohne groß nachzudenken.

Entsprechend schwierig ist dieser Bewegungsablauf so zu erlernen, dass er quasi aus dem Muskelgedächtnis funktioniert, also automatisiert abläuft.

Kein Patentrezept

Und noch eines kommt durch die Beteiligung vieler Muskeln hinzu: Entgegen der Vorstellung vieler Neugolfer und Amateure gibt es „den allgemeingültigen Schwung“ nicht. Das wird schnell klar, wenn man sich den Spaß bereitet, einmal bei youtube die Lehrvideos verschiedener Golfpros durchzuschauen.

Auch eine Sichtanalyse der Schwünge der weltbekannten Tourprofis lässt nur diesen Schluss zu: Es gibt im Detail kein Patentrezept. Der Schwung ist höchst individuell. Deshalb soll der Platzreifekurs auch nur eine erste Grundlage auf dem Weg zum eigenen guten Schwung darstellen.

Während dieses Kurses wird daher der Golfpro auch nur den nach seiner Ansicht besten Ablauf lehren können, ohne auf jeden einzelnen Teilnehmer eingehen zu können. Denn dazu reicht die Zeit einfach nicht aus. Wer also nach dem Erhalt des Reifezertifikats mit viel Ehrgeiz in eine richtige Golfkarriere starten will, der kommt auch danach um regelmäßige Stunden bei einem Pro nicht herum.

Schwung verändert sich

Und auch, wenn man den wohl passenden Bewegungsablauf für sich gefunden hat, so muss es nicht bei beständig guten Schwüngen bleiben. Schnell schleichen sich winzige Fehler im Ablauf ein, die sich festsetzen und potenzieren. Dann kommt oft die Frage auf, warum das Spiel am Beginn der Saison besser war als am Ende.

Doch wie sollte der Schwung nun im Groben aussehen? Dazu muss vor der Erläuterung noch geklärt werden, dass es auch bei einem bestimmten Spieler auf dem Platz den einen Schwung nicht gibt. Es kommt auf die Situation an, ob ein voller Schwung gespielt wird (zum Beispiel beim Abschlag), ein Halbschwung (bei der Annäherung oder aus dem Bunker) oder ein kontrollierter Kurzschlag, ein Pitch oder Chip.

In vier Phasen

In diesem Artikel soll es um den vollen Schwung gehen. Und dabei gibt es vier Phasen: das Ansprechen des Balles, den Aufschwung (das Ausholen), den Abschwung (die Bewegung zum Ball) und schließlich den Durchschwung (das Schlagen des Balles und Bremsen der Schwungbewegung).

Beginnen wir mit dem Ansprechen: Auch hier sind wieder einige Faktoren zu beachten. Es geht um die Standbreite, die Position des Balles, die Körperhaltung und die Gewichtsverteilung. All diese Punkte sollten jeweils mit demselben Schläger in unterschiedlichen Situationen immer gleich sein, um ein konstant abrufbares Ergebnis zu erzielen.

Hier die „einfachste“ Version: Man stellt sich so zum Ball, dass die Füße ungefähr auf Schulterbreite platziert sind, der Ball liegt mittig davor. Rechtshänder stehen mit ihrer linken Seite zur Zielrichtung.

Dann geht man leicht in die Knie und streckt das Gesäß etwas nach hinten, in der Hüfte vollführt der Oberkörper eine leichte Beugung nach vorn. Die Arme hängen locker, möglichst senkrecht zum Boden. Das Griffende sollte nun eine Handbreit vor den Oberschenkeln sein.

Es folgt das „Take away“, der langsame Aufschwung. Hier jetzt nicht hektisch werden. Ruhig den Schläger heben. Wenn der Schaft waagerecht ist, zeigt die Schlagfläche zum Ball.

In der weiteren Bewegung nach oben und hinten dreht die Hüfte mit, der linke Arm bleibt möglichst gestreckt (aber nicht zwanghaft). Die linke Ferse hebt sich leicht vom Boden, das Knie wandert durch die Hüftdrehung leicht nach vorn.

Spannung ist zu spüren

Der Schlägerkopf befindet sich in der höchsten Streckposition hinter dem Kopf und höher als dieser. Im Idealfall ist auch hier die Schaftausrichtung parallel zum Boden. In diesem Moment sollte eine deutliche Spannung über Arme und Hüfte bis in die Beine gespürt werden. Die Handgelenke werden in Daumenrichtung gewinkelt, nicht zum Handrücken hin.

Beim Abschwung erfolgt die Entspannung, indem zunächst das Gewicht auf das linke Bein verlagert wird, gefolgt von der Drehung der Hüfte. Dann kommen Arme und Schläger dran. Nicht vergessen: die Bewegung ist sehr komplex und schnell. Korrekturen sind nicht möglich.

Beim „Impact“, dem Treffmoment, sollte dann die Schlagfläche des Schlägerkopfes nicht verdreht, also offen (nach rechts) oder geschlossen (nach links) sein, sondern square, also im rechten Winkel zur Schlagrichtung stehen.

Und noch eine wichtige Unterscheidung: Beim Driverschlag sollte der Ball in einer Aufwärtsbewegung getroffen werden, die Hände befinden sich auf Ballhöhe oder dahinter. Beim Schlag mit einem Eisen liegt der Treffmoment in der Abwärtsbewegung, die Hände sollten in Schlagrichtung vor dem Schlägerkopf sein.

Mittig treffen ist wichtig

Der Ball sollte mit dem „Sweetspot“, also der Mitte der Schlagfläche getroffen werden, um eine optimale Kraftübertragung zu erreichen. Dazu kommt: Je höher die Schlägerkopfgeschwindigkeit, also je schneller der Schwung vollzogen wird, desto weiter fliegt der Ball.

Es folgt das Finish, also der Ausschwung. Dabei dreht der Oberkörper weiter, bis er mindestens genau zum Ziel zeigt. Das linke Bein bleibt stehen, das rechte wird von der Hüfte mitgenommen und zeigt letztlich auch mit dem Knie Richtung Ziel, dabei hat sich der Fuß gehoben und steht auf der Spitze, die Sohle zeigt also weg vom Ziel in Gegenrichtung.

Wenn alles gut ausgeführt wurde, so ist auch diese Position ein sicherer Stand. Der Ball ist gerade gestartet und weit geflogen. Das ist am Anfang eher Wunschdenken, aber mit der Übung kommt die Genauigkeit und die Routine.

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