How to Golf 10: Der Slice – gekommen, um zu bleiben

Golf ist Physik. Diese Feststellung ist für mich immer wieder besonders unangenehm, war ich doch schon in der Schule eine physikalische Niete. Ströme sind mir ein Rätsel, aber auch Formeln wie „Arbeit = Kraft x Weg“ oder der „Impulserhaltungssatz“ waren böhmische Dörfer. Hinzu kommt, dass Physik und Mathematik eng verzahnt sind und auch letztere nicht gerade mein Steckenpferd war und ist.

Golf ist Physik

Dennoch muss ich im Leben – und somit auch auf dem Golfplatz – damit zurechtkommen, dass alles, was ich mache, physikalischen Gesetzen unterworfen ist. So auch der Golfschwung und der Flug des Balles, der ballistisch ist.

Zu diesem Stichwort hier ein netter Sketch des großen Peter Frankenfeld, der zwar nicht über einen Golfball spricht, sondern über eine Gewehrkugel; generell unterliegen beide aber natürlich denselben Bedingungen. (Man möge mir die kleine und etwas angestaubte Albernheit verzeihen.)


Worauf ich mit diesem Text hinaus will, ist für leider viele Golfer (Achtung: Ich beziehe mich in diesem Text mit den Richtungsangaben auf Rechtshänder, also Spieler, die den Ball von sich aus immer nach links wegschlagen!) ein bekanntes Übel: Der Slice.

Dieser Begriff beschreibt eine besondere Flugbahn des Balles. Beim Slice startet der Ball geradeaus, begibt sich aber im Flug auf eine immer stärker werdende Rechtskurve und landet dadurch zumeist weitab vom gewünschten Zielbereich; oft nicht nur im Rough, sondern häufig im Wäldchen neben der eigentlich bespielten Bahn, schlimmstenfalls auf dem Fairway des parallel verlaufenden Lochs (dabei den Warnruf „Fore!“ nicht vergessen).

Unvermitteltes Erscheinen

Das geradezu Diabolische am Slice ist die Tatsache, dass er unvermittelt auftritt und dann oft gekommen ist, um zu bleiben. Denn zumeist ist nicht klar, warum der Ball sliced und so ist auch nicht ersichtlich, wie dieser Fehler beim Schwungsetting wieder zu beheben ist.

Und darin liegt die wahre Krux. Wie ich schon in einem anderen Artikel beschrieben habe, versuchen geplagte Golfer häufig, mit eigenen Mitteln – also ohne Hilfe eines Pros – den Fehler zu finden und zu beheben. So bei vielen Fehlern, auch beim Slice.

Fehler nicht durch Fehler bekämpfen

Nicht selten ist das Resultat entweder eine völlig abwegige Haltung beim Schwung oder eine falsche, nach links gewandte Ausrichtung vor dem Schwung, damit der Ball trotz der Rechtskurve letztlich doch im angepeilten Zielbereich auf dem Fairway landet.

Es versteht sich von selbst, dass das keine Lösungen sein können bzw. dürfen. Wer also plötzlich seine Bälle sliced und nicht auf eine Trainerstunde zurückgreifen will, der sollte behutsam an den Stellschrauben drehen, derer es beim Schwungsetting ja bekanntermaßen viele gibt: Stand – Ausrichtung – Schwungebene – Kraft – Griff – Schlägerblattausrichtung etc.


Leider, wie so oft bei Problemen im Golfsport, entsteht der Slice nicht selten durch ein Zusammenspiel verschiedener kleiner Fehler. Ohne selbst ein Patentrezept gegen den Slice nennen zu können, das für jeden Golfer der richtige Weg ist, möchte ich hier doch ein paar Indikatoren für den Slice aufzeigen.

Ein möglicher Aspekt ist die Schwungkurve, bei der der Ball von außen getroffen wird und der Schlägerkopf dann weiter nach innen, zum Körper hin, geführt wird. Dadurch entsteht ein Spin quer zur Flugrichtung, der den Ball schließlich im Flug wegdrehen lässt. Oft ist hier die falsche Schwungebene der Ursprung des Übels.

Verschiedene Auslöser

Eine weitere Möglichkeit ist ein zu offenes Schlägerblatt im Treffmoment. Das Schlägerblatt steht also nicht im rechten Winkel zur gewünschten Flugbahn, sondern ist, vom Spieler gesehen, etwas nach rechts gedreht, also geöffnet. Da das Blatt beim Ansprechen noch den richtigen Winkel aufweist, muss auch hier ein verstärkter Blick auf die Schwungebene gelegt werden.

Die dritte Alternative kenne ich aus eigener Erfahrung: Ich habe den Schläger falsch gegriffen. Die Hände waren zu offen übereinander gelegt. Es fehlte – von mir unbemerkt – die richtige Kontrolle über den Schwung.

Pro hat wichtige Hinweise

Seit ich enger greife und ich dadurch automatisch die Arme beim Ansprechen des Balles näher zur Körpermitte hin ausrichte, fliegen die Bälle (zumeist) wieder schön geradeaus.

Mir hat hier der Hinweis eines Pros beim Golfclub Röttgersbach in Duisburg, sehr geholfen. Er hat quasi im Vorbeigehen mein Problem erkannt und mir mit wenigen Worten die richtigen Hinweise geben können. Der Slice ist – jedenfalls aktuell – nicht mehr mein Problem. (An dieser Stelle ganz herzlichen Dank dafür.)

Zusammenspiel von Faktoren

Leider ist es häufig nicht damit getan, nur einen Aspekt zu verändern, um den Slice loszuwerden. Wie in so vielen Fällen beim Golf ist es eher das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, weshalb ich auch nur dringend raten kann, einen Slice – wie auch andere penetrante Fehler – mithilfe eines Trainers zu bekämpfen.

Generell ist der Slice übrigens ein typisches Driverproblem, bzw. ist beim Driverschlag am deutlichsten ausgeprägt. Er tritt auch bei Eisenschlägen in Erscheinung, hat dort aber meist nicht so drastische Auswirkungen.

Hook – der gespiegelte Zwilling

Der gespiegelte Zwilling des Slices, der „Hook“, bei dem der Ball nach dem Start nach eine zunehmende Linkskurve beschreibt, kommt natürlich auch als Fehler vor, ist aber – o physikalisches Wunder – viel seltener anzutreffen. Dennoch kann ich auch in dem Fall nur mit Nachdruck auf die Hilfe eines Pros verweisen.


 

Vorheriger Artikel der Reihe: How to Golf 9: Ein oft missachteter Fehler